Die Evaluation des XX. Weltkongresses für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

Mithilfe einer umfassenden Evaluation hat das IAG den Weltkongress 2014 unterstützt. Sie wurde nicht nur zur abschließenden Bewertung genutzt, sondern diente mittels einer Vorbefragung und statistischen Analysen auch der Vorbereitung und Planung. Es wurden mehrere Erhebungsmethoden eingesetzt.

Auf dem Weltkongress 2014, welcher vom 24. bis 27. August 2014 in Frankfurt am Main stattfand, waren 3.980 Teilnehmende aus 143 Ländern anwesend (vgl. Abbildung 1). Damit hat es dieser Weltkongress geschafft, so viel internationales Publikum (53 Prozent) wie noch nie in der Geschichte des Weltkongresses anzuziehen.

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Vorbefragung

Alle Teilnehmenden, die bis Anfang Juli registriert waren, wurden durch eine Online-Befragung schon vor dem Kongressbesuch befragt. Ziel der Vorbefragung war es, die Erwartungen der Teilnehmenden in Erfahrung zu bringen, um den Kongress ganz auf die Bedürfnisse der Zielgruppe auszurichten. Abgesehen davon konnte anhand der Daten ungefähr abgeschätzt werden, wie viele Teilnehmende bei welchen Einzelveranstaltungen zu erwarten sind. Mit dem Hintergrundwissen, welche Veranstaltungen besonders gefragt sind, konnte im Vorfeld auch gezielt Marketing betrieben werden. Der Rücklauf der Vorbefragung war mit 43 Prozent sehr gut. Durch die Vorbefragung stellte sich heraus, dass über die Hälfte der Teilnehmenden durch eine persönliche Einladung oder durch Kontakte, zum Beispiel aus dem Kreis von Kolleginnen und Kollegen oder von Vorgesetzten, auf den Kongress aufmerksam wurden. Trotz der fast 4.000 Teilnehmenden ist der Weltkongress 2014 somit auch ein „Kongress der persönlichen Beziehungen“.

 

Hauptbefragung

Das Ziel der Hauptbefragung vor Ort war die Erfassung der Zufriedenheit der Teilnehmenden mit verschiedenen Aspekten des Kongresses. Für die Hauptevaluation wurde ein Fragebogen entwickelt und im Vorfeld an verschiedenen Veranstaltungen getestet, so zum Beispiel auch an der Internationalen Strategiekonferenz 2013. Dieser Bogen besteht aus sieben Globalindikatoren, welche mit mehreren Statements bzw. Fragen untersetzt sind. Alle Statements sind positiv formuliert und sollten von den Teilnehmenden mithilfe einer sechsstufigen Skala bewertet werden (von 1 „stimme vollkommen zu“ bis 6 „stimme gar nicht zu“). Um einen ausreichend hohen Rücklauf von Fragebögen zu gewährleisten, wurden Preise als Anreiz für das Ausfüllen der Fragebögen verlost. Zudem waren die ausliegenden Fragebögen mit kleinen Haftnotizen versehen, die eine persönliche Ansprache ermöglichten. Diese Maßnahmen haben sich gelohnt: 679 ausgefüllte Fragebögen erreichten das IAG bis Anfang September. Das lässt eine repräsentative Auswertung zu. Der Kongress erhielt einen Gesamtmittelwert von 1,8. Dies ist ein sehr gutes Ergebnis. In Abbildung 2 ist ersichtlich, dass alle Globalindikatoren Mittelwerte zwischen 1,7 und 2,0 erreichten: Inhalt (1,9), Struktur (1,9), Vortragende (1,7), Atmosphäre und Interaktion (2,0), Räumlichkeiten (1,7), Management der Teilnehmenden (1,7), Gesamtbewertung und Nutzen des Kongresses (2,0).

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Die Mehrheit (64 Prozent) der Teilnehmenden gab an, dass ihre Erwartungen übertroffen wurden; 31 Prozent gaben sogar „weit übertroffen“ an (vgl. Abbildung 3). Und: Mehr als 80 Prozent werden den Kongress weiterempfehlen (vgl. Abbildung 4).

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Fazit der Hauptevaluation ist, dass der Kongress es geschafft hat, die Teilnehmenden nicht nur zufriedenzustellen, sondern diese zu begeistern und zu motivieren. In Abbildung 5 ist der Weltkongress 2014 im Vergleich zu anderen Großveranstaltungen dargestellt.

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Teilnehmende sollten mittels zweier Skalen einschätzen, wie sie sich fühlen, wenn sie an ihre besuchte Veranstaltung denken („positiv/optimistisch“ versus „negativ/traurig“ und „gelassen/relaxed“ versus „aktiviert/energiegeladen“). Es wird deutlich, dass es alle fünf untersuchten Veranstaltungen geschafft haben, ihre Besucher in eine positive Stimmung zu versetzen. Teilnehmende darüber hinaus zu aktivieren und zu motivieren, ist schon etwas schwieriger. Dieser Herausforderung hat sich das Organisationsteam des Weltkongresses 2014 gestellt und sie gemeistert.

 Analyse der Symposien

Ziel der Evaluation der Symposien war es festzustellen, ob es auch zu einer Veränderung der Einstellungen und des Wissens der Teilnehmenden in Bezug auf Themen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes beim Weltkongress 2014 kam. Mit einem Vorher-Nachher-Vergleich wurde untersucht, ob die Teilnehmenden etwas gelernt haben und ob sie konkrete Vorhaben entwickeln konnten, das Gelernte später auch umzusetzen. Es wurden drei Symposien ausgewählt, die zur gleichen Zeit stattfanden und bei denen eine recht hohe Besucherzahl zu erwarten war:

  • S01 „Prävention lohnt sich – Return on Prevention“
  • S04 „Aufbau von Präventionsressourcen“
  • S12 „Gestaltung einer sicheren und gesunden Lern- und Arbeitsumgebung“

Der Vorher-Nachher-Vergleich des Wissens und der Einstellungen hat gezeigt, dass bei einem Drittel der Inhalte eine positive Veränderung ersichtlich war. In Symposium S12 schafften es alle Referierenden, einen Wissenszuwachs für die Teilnehmenden zu generieren. Ein Beispiel ist, dass die Teilnehmenden nun Ansätze kennen, wie sie die Präventionskultur befördern können. Teilnehmende beschrieben außerdem, was sie konkret gelernt haben und wie sie diese Erkenntnisse für ihre Praxis nutzen werden. In Symposium S04 konnten Teilnehmende zum Beispiel davon überzeugt werden, dass sowohl Arbeitgeber, als auch Fachleute in der Arbeitssicherheit und Beschäftigte in die Risikoanalyse mit einbezogen werden sollten, um die Präventionsarbeit zu verbessern. Und in Symposium S01 hat es ein Referent geschafft, die Teilnehmenden davon zu überzeugen, dass es unerlässlich ist, einen Mix von verschiedenen Medien zu nutzen, um die verschiedenen Zielgruppen von Arbeitssicherheits- und Gesundheitsthemen zu erreichen. Dieser Effekt wurde sogar anhand einer Kontrollgruppe überprüft. Das heißt, der Fragebogen für Symposium S01 wurde auch an Fachleute der Arbeitssicherheit versandt, die nicht am Kongress teilnahmen, um Lerneffekte über die Zeit auszuschließen.

Für die Evaluation der Symposien kann also festgestellt werden, dass Teilnehmende etwas gelernt haben, einige ihrer Einstellungen modifizierten und auch konkrete Verhaltensabsichten bildeten, wie sie das Gelernte anwenden können.

 Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Weltkongress 2014 von den Teilnehmenden Bestnoten erhielt. Die Erwartungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen; sie waren nicht nur zufrieden, sondern begeistert und wurden motiviert, neu gewonnene Erkenntnisse in ihrer Arbeit umzusetzen und somit die Präventionsarbeit noch nachhaltiger zu gestalten.

Vielen Dank für Ihre Beteiligung an der Evaluation!

 AUTORIN: Maria Klotz