Vielfalt in die DNA der Unternehmen pflanzen

 Zu Beginn des letzten Jahrzehnts glaubte man noch, das Thema Diversity Management in Unternehmen sei nur in angloamerikanischen Ländern ein Thema, in Europa müsse man sich damit nicht beschäftigen. Diese Einstellung hat sich in den letzten Jahren geändert, viele Unternehmen erkennen die Chancen und Vorteile der Vielfalt am Arbeitsplatz. Wo diese Vorteile genau liegen, wie man sie richtig nutzt und wie das Thema mit dem Gesundheitsmanagement verbunden ist, erläuterte Dr. Natalie Lotzmann, Abteilungsleiterin Gesundheitsmanagement und frühere Leiterin Diversity Management bei SAP SE in Deutschland.

lotzmann3Wie wertvoll ist Vielfalt am Arbeitsplatz? Es kommt darauf an, wie sie genutzt wird. Natalie Lotzmann erklärte dies anschaulich anhand eines Beispiels: Würden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Veranstaltung alle unterschiedliche Sprachen sprechen, würde dies zwar eine maximale Vielfalt in Bezug auf das Kriterium Sprache bedeuten, wäre aber ein großer Nachteil, wenn das Ziel das gemeinsame Lernen aus Vorträgen sein sollte. Hätte diese gleiche Gruppe von Menschen jedoch beispielsweise die Aufgabe eine vollkommen neue Sprache zu kreieren, wäre sie gegenüber einer gemeinsam-sprachigen Gruppe im Vorteil, da die Wahrscheinlichkeit einer kreativen und innovativen Lösung mit der Vielfalt der nutzbaren Perspektiven steige. Genauso funktioniere das auch in Unternehmen: Es gehe hier nicht um Unterschiede an sich, sondern darum, Unterschiede produktiv nutzbar zu machen. Vielfalt am Arbeitsplatz könne durch Diversity Management erst richtig zur Geltung gebracht werden.

„Dabei spielt das Bekenntnis der Geschäftsführung eine zentrale Rolle“, erläurterte Lotzmann und fügte hinzu, dass es die gleiche Grundhaltung von Respekt vor der Einzigartigkeit des Menschen und seinen Bedürfnissen sei, die sowohl ein effizientes Diversity Management wie ein effektives Gesundheitsmanagement im Betrieb ermögliche. Beides seien entscheidende Faktoren für den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg.

Führungskräfte müssten die Vorteile der Vielfalt sowie die Vorteile von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz in ihrem Unternehmen erkennen, vorleben, fördern und in Strukturen, Prozessen und Entscheidungen kontinuierlich berücksichtigen. Nur so könne der positive Umgang mit Vielfalt in die kulturelle DNA eines gesunden Unternehmens eindringen. Davon profitierten letztlich auch die Kunden, die häufig selbst vielfältig zusammengesetzt seien. Auf der anderen Seite führten die Akzeptanz der Individualität sowie die Wertschätzung besonderer Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu, dass eine vielfältige Belegschaft besser zusammen arbeite, sich konstruktiver und motivierter einbringe und somit die Produktivität und Innovationskraft des Unternehmens steigere. Die Zahlen sprechen für sich: Unternehmen, in denen Vielfalt gefördert wird, könnten eine um 39 Prozent höhere Kundenzufriedenheit und eine um 22 Prozent höhere Produktivität verzeichnen, als Unternehmen, bei denen das nicht der Fall ist.

lotzmann2Der weltweit aktive Software-Konzern SAP, der über 66.000 Menschen aus über 120 Nationalitäten weltweit beschäftigt, habe die Bedeutung von Diversity Management frühzeitig erkannt und gehe mit gutem Beispiel voran. Hier werde Vielfalt gelebt. Gefördert werden bei SAP unter anderem die Einstellung von Frauen in Führungspositionen, generationsübergreifende Zusammenarbeit, die Integration der Kulturen und Identitäten sowie die Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Besonders hebt Lotzmann das SAP-Programm „Autismus in der Arbeitswelt“ hervor: SAP hat es sich zum Ziel gesetzt, gezielt das Potential von autistischen Menschen mit ihren besonderen Talenten insbesondere für sich ständig wiederholende hochkonzentrierte Aufgaben wie Softwaretestung zu nutzen. „Wie gelingt das?“, kommt die Frage aus dem Publikum. Indem man sich auf die besonderen Bedürfnisse dieser Gruppe einstellt und bereit ist, von ihnen zu lernen. Oder indem man Abläufe möglichst konstant hält, ihnen eine Bezugsperson zur Seite stellt und offen, klar und direkt kommuniziert, weil sie Ironie oder unterschwellige Botschaften nicht verstehen.
Zum Schluss weist sie noch einmal darauf hin, dass die Führungskultur in einem Unternehmen der entscheidende Erfolgsfaktor sei. Sich individuell auf Beschäftigte in ihren vielfältigen physischen und mentalen Bedürfnissen einzustellen, fördere die Gesundheit und ermögliche die Nutzung des Potenzials der Vielfalt.

„Es geht nicht darum, unterschiedlich zu sein. Es geht darum, einen Unterschied zu machen“, so fasste Natalie Lotzmann ihren Vortrag prägnant in einem Satz zusammen.


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Text: Elena Engelhardt