Netzwerken für die Prävention

Nur noch wenige Stunden, dann ist der XX. Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2014 zu Ende. Was wird bleiben? Raum 5 im Congress Center ist an diesem Mittwochmorgen gefüllt mit einem lebhaften Stimmengemurmel. „Vernetzung als Antriebskraft für Prävention“ heißt das Thema des Symposiums unter der engagierten Leitung von Dr. Ulrike Bollmann vom Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und Kevin Myers von der Internationalen Vereinigung für Arbeitsinspektion (IALI).

netzwerken1Was für eine herzliche Atmosphäre begrüßt uns an diesem Morgen im Konferenzraum mit Blick auf die Frankfurter Skyline. Immer mehr interessierte Gäste finden sich ein, sagen einander Hallo, nehmen in Sitzgruppen Platz. Schnell werden noch ein paar extra Hocker hinzugeholt, damit auch jede und jeder dabei sein kann.

„Wie können wir uns speziell zum Thema Prävention besser vernetzen? Wann funktioniert ein Netzwerk? Und wie kann es Unternehmen ermutigen, sich der zur Verfügung stehenden Werkzeuge zu bedienen?“ – Das sind die Fragen, denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in diesem Symposium stellen. In jeder der vier Ecken des Raumes ist dem Netzwerk ein Schwerpunkt gewidmet, von A wie „Advocacy Network“ (Interessengruppen) über C wie „Collaboration Network“ (Zusammenarbeit), dann das „Content Network“ (Inhalte), bis hin zu S wie „Support Network“ (Unterstützung).

Ein Netzwerk lebt vom aktiven Mitmachen vieler Menschen, und so ist es auch hier in Raum 5. Viele kommen zu Wort, geben einen Einblick in ihre persönliche Arbeit, tauschen ihre Erfahrungen aus. Ein Netzwerk braucht aber auch eine gewisse Struktur, einen Zweck und ein Ziel. In jeder Gruppe sitzen deshalb einige Expertinnen und Experten, die die Diskussion lenken. Charmant führt Moderator Dr. David Gold vom Beratungsunternehmen Gold-Knecht Associates durch das Gesamtprogramm und stellt seine Gäste vor. Und welch eine Überraschung und Freude: Die Gastgeber aus Singapur für den nächsten Weltkongress 2017 haben sich ebenfalls für das heutige Symposium entschieden – die Welt ist vernetzt.

„Netzwerke können sowohl emotional als auch beruflich unterstützen und den Beschäftigten praktische Informationen über ihre Arbeit und Herausforderungen geben“, sagt Katariina Röbbelen-Voigt von der Kooperationsstelle Hamburg. Solche Netzwerke sind meist eher klein und flexibel. Ein Netzwerk für die Zusammenarbeit zeichnet sich dagegen durch einen losen Zusammenschluss größerer Gruppen aus, die gemeinsame Interessen vertreten.


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Timothy Tregenza von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) rückt die Inhalte ins Blickfeld: „Das sind hervorragende Instrumente, um zum Beispiel Datenmaterial zu erheben – über die üblichen Quellen hinaus.“ Vorrangiges Ziel eines inhaltlichen Netzwerkes sei es, zusammen zu arbeiten, um gemeinsam ein Ergebnis für Gruppen außerhalb des Netzwerkes zu schaffen. Und ein Netzwerk von Interessengruppen hat den Zweck, das Bewusstsein vieler Menschen mit bestimmten Informationen zu prägen.

Hier und heute geht es beim Netzwerken um Prävention. Dr. David Gold gibt den Start frei für die nächste Runde der Gespräche untereinander. Und diesmal haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine spezielle Aufgabe zu lösen. Es geht um nichts anderes als Stressprävention: Wie kann man die psychische Gesundheit aller Beschäftigten erhalten? „Stress entsteht dann, wenn die Anforderungen am Arbeitsplatz nicht mit den Fähigkeiten eines Beschäftigten übereinstimmen“, sagt Arbeitspsychologin Jasmine Kix von der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) in ihrem Einführungsvortrag.

Eine Herausforderung für die Unternehmen, die mit diesem Thema auf eine ähnliche Art umgehen sollten wie mit anderen Themen zur Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit auch, so die Empfehlung. Unterstützung aus der Unternehmensführung ist ebenfalls ganz wesentlich für eine erfolgreiche Prävention im Bereich psychosozialer Belastungen, lautet ein Fazit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Bei der Diskussion im Netzwerk tragen sie weitere wertvolle Tipps zusammen. Die Resultate fließen in die Praxis ein, Kevin Myers nimmt sie mit nach Großbritannien in die Arbeit für die Internationale Vereinigung für Arbeitsinspektion (IALI). Am Ende des Symposiums gibt es viel Applaus und herzliche Verabschiedungen. Und, nicht vergessen, die Visitenkarten in die bereitstehende Box zu legen. So gelingt Vernetzung als Antriebskraft für Prävention. Bis es heißt: See you in Singapore zum Weltkongress 2017!

Text: Bettina Bräuniger