Alleine geht es nicht

„Präventionskultur müsste eigentlich ein Schulfach sein“, „Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sollten von klein auf gelehrt werden“ – so oder so ähnlich hörte man es während der Kongresstage immer wieder. Doch wie kommen Bildungssystem, Gesellschaft und Arbeitswelt überhaupt zusammen? Das Symposium „Gestaltung einer sicheren und gesunden Lern- und Arbeitsumgebung“ versuchte, Antworten zu finden, indem es Fragen stellte.

S12_environment_DSC9821Bildung nimmt eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung einer Präventionskultur ein, darin waren sich die Moderatoren des Symposiums einig: Dr. Ulrike Bollmann vom Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG), Steve Horvath vom Canadian Centre for Occupational Health and Safety sowie Dr. David Gold von Gold-Knecht Associates. Denn wer von klein auf lernt, sich und seine Umwelt vor Gefahren zu schützen, behält dieses Bewusstsein auch im Erwachsenenalter bei. Ein einleuchtendes Argument. Doch noch steht die Forschung ganz am Anfang. Es gibt Ansätze, aber keine vorgefertigten Lösungen, wie eine Kultur der Prävention schon in den Schulen so gestaltet werden kann, dass sie auch später bei der Arbeit und der Gesellschaft als Ganzes einen Nutzen bringt.

Aus Sicht der Forschung

In der ersten Hälfte des Symposiums hatten die Forscherinnen und Forscher das Wort. Sie stellten erste Ansätze vor, die eine Grundlage für die Gestaltung einer sicheren und gesunden Lern- und Arbeitsumgebung bieten könnten. So trug etwa Peter Paulus von der Leuphana Universität Lüneburg das Konzept der „Guten gesunden Schule“ vor, das bereits die Themen Sicherheit, Gesundheit und Bildung miteinander vereint. Wie gut solch eine Strategie funktionieren kann, zeigt ein Projekt aus dem kanadischen Ontario, das von Sue Boychuk vom Arbeitsministerium in Ontario vorgestellt wurde. Seit 2000 gehören die Themen Sicherheit und Gesundheit hier zum Stundenplan – vom Kindergarten bis in Klasse 12. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Die Zahl der Unfälle bei Teenagern konnte seither um 70 Prozent verringert werden. Boychuk appellierte, bei Jugendlichen nicht die Vielfalt aus den Augen zu lassen: „Jugendliche werden häufig als homogene Gruppe betrachtet. Doch das ist falsch. Wie Erwachsene können auch Jugendliche sehr unterschiedlich sein, und zum Beispiel aus verschiedenen Kulturkreisen oder aus besonderen familiären Situationen kommen.“

Aus Sicht des Plenums

In der zweiten Hälfte des Symposiums erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Wort – und sollten insbesondere Fragen stellen. „Fragen können ein Katalysator für Veränderung sein“, erläuterte Moderator David Gold das Prinzip. „Nur wer Fragen stellt, kann auf innovative und kraftvolle Antworten hoffen. Fragen Sie daher die provokantesten Fragen zu dem Thema, die Ihnen einfallen“, forderte er. Dazu wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in drei Gruppen unterteilt, stellvertretend für die Bereiche Bildung, Arbeit und Gesellschaft. Sie sollten sich jeweils gegenseitig die drängendsten Fragen stellen. So entstand eine lebhafte Diskussion, die insbesondere von den vielfältigen persönlichen Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereichert wurde.

„Wir können eine Veränderung bewirken“, fasste David Gold schließlich zusammen. Es sei jedoch deutlich geworden, dass dies nicht gelingen könne, wenn jeder alleine für sich arbeite. „Wir können dies nicht in Isolation tun. Wir müssen ein Team werden und noch viel mehr zusammenarbeiten.“

Text: Sanja Zec


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