Prävention lohnt sich

Lohnt es sich für ein Unternehmen, in die Prävention zu investieren? Ja, lautet die klare Antwort. Wissenschaftliche Studien stützen diese These. Auf welchen Grundlagen diese Studien basieren und welche weiteren Effekte eine Investition in die Prävention für die Unternehmen und Gesellschaft mitbringt, darüber diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt beim Symposium „Return on Prevention“.

benefitsDynamisch und interaktiv ist dieses Symposium im Raum „Panorama 3“. Das Publikum sitzt kreisförmig in einer Art Arena, das Podium in der Mitte des Raums setzt sich zusammen aus drei Inseln. Darüber an der Decke hängen drei Kreise, auf denen steht, worum es jeweils geht: „Occupational Risks“ (Gesundheitsrisiken im Berufsleben), „Workplace Health Promotion“ (Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz) und „Return to Work“ (Rückkehr an den Arbeitsplatz). Moderator Bernd Treichel von der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) seine Gäste führt seine Gäste souverän von Insel zu Insel.

Zunächst die Studien der Wirtschaftswissenschaftler: Eine Studie auf der Basis von Prävention zahlt sich aus. Prof. Dietmar Bräunig von der Justus-Liebig-Universität Gießen in Deutschland hat errechnet, dass sich jeder in den Arbeitsschutz investierte Euro mit 2,2 Euro rentiert. Ein Argument, das die Unternehmen überzeugen kann. Paul Duphil aus Frankreich macht auf den Zusammenhang zwischen Prävention und wirtschaftlichen Erfolg aufmerksam. Prävention selbst könne sogar als Motor für weitere Aktivitäten in der Prävention dienen. Prof. Teresa Moitinho von der Europäischen Kommission bestätigt, wie wichtig eine fundierte wirtschaftliche Datenanalyse auch für ihre tägliche Arbeit in der Kommission ist. Zusätzlich zu den notwendigen Kosten-Nutzen-Analysen müsse aber eine Kultur der Prävention kommen, betont abschließend Dr. Thomas Kohstall vom Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IGA).

Jetzt auf die nächste Insel gehüpft, zu den „Occupational Risks“. Dieser Begriff hat es in sich. In Europa hat nahezu jedes Land eine andere Nuance in der Übersetzung, die offizielle in Deutschland lautet: Gesundheitsrisiken im Berufsleben. Auf diese Nuancen macht Dr. Karl Kuhn vom Europäischen Netzwerk für Gesundheitsförderung (ENWHP) aufmerksam. Statt auf die Kosten und Nutzen zu schauen, wendet er nun den Blick auf die steigende Produktivität eines gesunden Unternehmens. Und sein Kollege Prof. Giuseppe Masanotti aus Italien hat herausgefunden, das nicht nur ein Unternehmen, sondern sogar eine ganze Stadt von Gesundheitsförderung profitieren kann.


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Ein kurzer Schwenk ins Publikum, Zeit für kurze Zwischenfragen. Warum sind dann offenbar nur 25 Prozent der Unternehmen vom positiven Effekt der Prävention überzeugt, und nicht 90 Prozent, will ein Zuschauer wissen, der selbst freiberuflich tätig ist. Ja, warum eigentlich nicht? Diese Podiumsrunde gibt die Anregung gerne weiter, und die Wissenschaftler vermuten, dass die Zahl in der Realität tatsächlich etwas über 25 Prozent liegen müsste.

Wie sieht es aus mit der Rückkehr an den Arbeitsplatz nach einer Krankheit, wie effizient sind „Return to Work“-Programms? Das haben die Gäste auf der nächsten Insel untersucht, darunter Dr. Christopher McLaren vom Decision Support Center aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Renate Jungclaus von der Siemens AG aus Deutschland, Dr. Mohammed Azman Aziz Mohammed von der Organisation für Soziale Sicherheit (SOCSO) aus Malaysia und Philippe Conus von der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva). Letzterer ist vom „Case Management“ zur Integration zurück in den Arbeitsplatz überzeugt.

Und was ist, wenn Unternehmen nicht überzeugt sind, wenn sie womöglich vom „Health and Safety Monster“ sprechen oder achselzuckend hinnehmen, dass tragische Unfälle eben passieren und dazugehören? Dann kommt die Kommunikation ins Spiel. „Solche Aussagen sind Gift für unsere Arbeit“, sagt Gregor Doepke. Der Leiter der Kommunikation der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hält einen engagierten Schlussvortrag und gibt dem Publikum fünf Strategien mit an die Hand, damit eine effektive Kommunikation gelingen kann. Ein wachrüttelndes Fazit: „Über alle kulturellen Grenzen hinweg  muss unsere Botschaft sein: Prävention lohnt sich.“

Text: Bettina Bräuniger