Gesundheit ist kein Sahnehäubchen

Was macht gesunde Arbeit aus? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Fachveranstaltung „Gesunde Arbeitsplätze – gesunde Mitarbeiter“. Es wurde deutlich, dass die Antworten darauf weltweit unterschiedlich ausfallen können, das Ergebnis ist jedoch immer gleich: Tun die Unternehmen etwas für die Gesundheitsförderung ihrer Beschäftigten, sind diese zufriedener und fallen seltener wegen Unfällen oder Erkrankungen aus.

gesund„Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Faktor, um Beschäftigte gesund zu erhalten?“, fragte Moderator Florian Müller gleich zu Beginn der Fachveranstaltung „Gesunde Arbeitsplätze – gesunde Mitarbeiter“ in das Plenum. Die Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigte an: Es sind die Führungskräfte und das Management, die die Gesundheitsförderung im Unternehmen entscheidend beeinflussen können. Dahinter folgten Gesundheitsprogramme und persönliche Ressourcen, Gestaltung der Arbeitsumgebung, Wirtschaftlichkeitsaspekte sowie Work-Life-Balance. Doch ganz gleich, wo sich die Unternehmen entscheiden anzusetzen: Es lohnt sich, Zeit, Geld und Engagement in die Gesundheitsförderung zu investieren. Dies bewiesen drei Beispiele bester Praxis, die bei der Fachveranstaltung vorgestellt wurden.

Beispiel Cerrejon: Gesundheitsprogramm gegen Übergewicht

Auf Gesundheitsprogramme für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konzentriert sich Cerrejon. In dem kolumbianischen Minenunternehmen arbeiten derzeit etwa 10.000 Beschäftigte – das größte private Exportunternehmen des Landes. „Uns fiel auf, dass 80 Prozent unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übergewichtig oder fettleibig waren – manche ihrer Mittagessen umfassten 4.000 Kalorien“, so Dr. Hugo Piedrahita von Cerrejon. Das sei ein großes Problem, schließlich sei die Arbeit im Bergbau körperlich anstrengend und kraftraubend. Das Unternehmen konnte rund 70 Prozent seiner Beschäftigten dazu animieren, an einem Gesundheitsprogramm teilzunehmen, das unter anderem vorsah, sich 15 Stunden pro Monat aktiv zu bewegen – und verbuchte erste Erfolge. „Viele sahen, wie einfach es war, ihren Body-Mass-Index schnell zu vermindern.“

Beispiel Deutsche Post AG: Wertschätzung statt Erkrankung

Ein anderes positives Beispiel stellte Dr. Andreas Tautz von der Deutschen Post AG vor. Hier stellte man sich der Herausforderung, die Muskel-Skelett-Erkrankungen im Unternehmen zu verringern und konzentrierte sich dabei auf Faktoren wie Wertschätzung und Respekt. „Zahlreiche Studien belegen: Wenn wir uns subjektiv nicht gewertschätzt fühlen, leiden wir häufiger unter Herz-Kreislauferkrankungen, Depressionen oder etwa Muskel-Skelett-Erkrankungen“, erläuterte Tautz. Die Deutsche Post AG entwickelte daher bereits 2008 eine Leitlinie unter dem Titel „Respekt und Resultate“. Diese schreibt einen wertschätzenden Umgang untereinander fest, vor dem Hintergrund dass nur mit entsprechendem Respekt auch gute Resultate erzielt werden können.

Beispiel GlaxoSmithKline: Führungskräfte gesund erhalten

Wie GlaxoSmithKline es geschafft hat, seine Führungskräfte für die eigene Gesundheitsförderung zu gewinnen, erläuterte Susan Cruse. Obwohl es sich um den ureigensten Forschungsbereich des Gesundheitsunternehmens handelte, sei anfangs noch große Überzeugungsarbeit zu leisten gewesen. „Es ging darum, zu verdeutlichen, dass Gesundheitsförderung kein zusätzliches Sahnehäubchen zu dem Rest der Arbeit ist: Sie ist existentiell“, so Cruse. Denn in einer Umfrage fand das Unternehmen heraus, dass die größte Burnout-Gefahr beim Management lag. Mit einem verpflichtenden Programm für die Führungskräfte trat man dem entgegen – und war erfolgreich: „Wir konnten ihnen den Beweis erbringen, dass sie selbst erfüllter waren, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr halfen und sie besser förderten, wenn sie sich intensiver um die eigene Gesundheit kümmerten.“

Aus der Wissenschaft

Von der wissenschaftlichen Seite betrachteten Dr. L. Chasey Chosewood vom National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH) und Professor Peter Vink von der Delft University of Technology das Thema der Gesundheitsförderung. Vink zeigte auf, welchen Einfluss das Arbeitsumfeld auf das Wohlbefinden von Beschäftigten hat und stellte eigene Studien vor. Chosewood, der bereits in seiner Keynote auf das Total Worker Health-Programm von NIOSH eingegangen ist, betonte, wie wichtig es ist, auch außerhalb der Arbeit für Gesundheitsförderung zu sorgen: „Die wenigsten Arbeitnehmer in den USA sind tödlichen Gefahren bei der Arbeit ausgesetzt“, so Chosewood. „Sie sterben eher an den Folgen einer ungesunden Lebensweise.“ Diesen Aspekt dürfe man bei der Konzeption von Gesundheitsprogrammen nicht außer Acht lassen.

Text: Sanja Zec