Der Arbeitsplatz der Zukunft

Obwohl gerade westliche Industrienationen in Sachen Arbeitsschutz bereits viel erreichen konnten, bedeutet dies nicht, dass es keine Herausforderungen mehr gibt. Alternde Belegschaften, eine Arbeitswelt des permanenten Wandels, besonders die sich rasant entwickelnden neuen Technologien und eine weiterhin zu verbessernde Kooperation der Aufsichtsbehörden prägen den Arbeitsschutz von morgen.

Foto: Dr. Cameron Mustard „Arbeit ist in den letzten 100 Jahren sehr viel sicherer geworden!“ – bei dieser Botschaft belässt es Dr. Cameron Mustard vom Institute for Work & Health in Toronto in seinem Einführungsvortrag auf dem XX. Weltkongress nicht. Denn die Fortschritte müssten weiter ausgebaut werden, argumentierte Mustard.

 

 

Die Welt im Wandel

Auch wenn er sich in seiner Untersuchung vor allem auf die USA und Kanada bezog, gab er einen Ausblick darauf, dass früher oder später auch die Probleme und Möglichkeiten der sich entwickelnden Länder global angegangen werden müssten. Er blickte dabei hauptsächlich auf Ereignisse wie den tragischen Einsturz des Rana Plaza in Bangladesch, bei dem 1.100 Textilarbeiterinnen getötet wurden – die westlichen Bekleidungsfirmen und die Politik trügen hier eine Mitverantwortung. Mustard bezog sich damit auch auf die Worte der Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, die diese Verantwortung in ihrer Rede auf dem Weltkongress benannt hatte.

Neue Technologien

„Die Globalisierung hat Wachstumschancen geschaffen und zu Veränderungen geführt“, erörterte der Referent. Diesem Wandel müssten wir gerecht werden. Dass dieser Wechsel der Arbeitsbedingungen insbesondere auch durch technische Medien möglich war, ist nicht neu. Wenn man von Veränderung spricht, sind also vor allem die neuen Medien betroffen. „Im Gegensatz zu vielen erinnere ich mich noch an eine Arbeitswelt ohne Computer“, berichtete der Mustard: „Die Geschwindigkeit ist besorgniserregend. Denn die Maschinen ersetzen nicht nur die Menschen, sie verändern deren Arbeitsprozesse grundlegend“, so der Experte.


hier video-name

 

 

Verbesserte Zusammenarbeit

Bestens nutzbar sind diese Technologien auch für die Behörden. Ungefähr 200.000 Arbeitsinspektoren gebe es allein in der Europäischen Union. Längst schon seien die Aufsichtsbehörden der EU von ihren teilweise als blockierend empfundenen Methoden abgewichen. Auch kleinere Unternehmen würden von der verbesserten Zusammenarbeit mehr profitieren.

Belegschaften im besten Alter

Letztendlich gelte es, zu bedenken: Selbst wenn die Zahl der konkreten Verletzungen in den entwickelten Ländern gesunken sei, würden noch immer bis zu 15 Prozent der Asthmaerkrankungen und bis zu zwölf Prozent der ischämischen Herzerkrankungen auf das Arbeitsumfeld zurückgehen. Auch Diabetes, Rückenprobleme und Bluthochdruck seien regelmäßig mit der Arbeit assoziiert. Dies betreffe vor allem die Beschäftigten ab 40, von denen viel zu viele vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausschieden.

Die älteren Arbeitnehmer, die mehr mit dem Wandel und gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben, seien gerade deswegen wichtig, weil sie so viel Erfahrung haben. „Die Beeinträchtigungen der weniger produktiven Älteren müssen ausgeglichen werden, beispielsweise durch eine reduzierte Arbeitszeit. Die Regierungen sind in der Pflicht, hier Lösungen zu entwickeln“, forderte der Experte. Ein perfekter Arbeitsplatz von morgen müsse stärker auf die Bedürfnisse älterer Belegschaften eingehen. Moderator Karl-Josef Thielen pflichtete ihm bei und schloss mit einem Appell: „Wir müssen uns einmischen, um gesellschaftliche Entwicklungen weiterhin voranzutreiben.“

Text: Andrea Kramer

  1. Andreas Baader

    Der Kongress ist spannend, so spannend, dass wir mit unserer Berichterstattung kaum nachkommen. Aber wir geben uns große Mühe und veröffentlichen jeden Tag eine ganze Reihe aktueller Beiträge. Wir hoffen, dass es gefällt und nützt – und freuen uns über Ihre Kommentare und Anregungen!

  2. Dieter Thomas

    Die Herzlichkeit mit der sich der größte Teil der Fellowships für die Möglichkeit der Teilnahme am Weltkongress bedankten, war erfreulich.

Kommentare sind geschlossen.