„Prävention muss ganzheitlich angegangen werden!“

Unsere Welt befindet sich in einem ständigen Wandel. Globalisierung und demographischer Wandel sind nur zwei Beispiele, die immense Auswirkungen auf die Arbeit weltweit haben. Wie kann betriebliche Prävention den neuen Herausforderungen begegnen und sich den Veränderungen optimal anpassen? Hans-Horst Konkolewsky, Generalsekretär der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS), stellte in seinem Vortrag Lösungsansätze der IVSS vor.

Konkolewsky Betriebliche Prävention dürfe heutzutage nicht mehr nur noch für Sicherheit am Arbeitsplatz sorgen, forderte Konkolewsky. „Wir verzeichnen einen neuen Präventionstrend: Weg vom klassischen Begriff der Sicherheit bei der Arbeit, hin zur Gesundheit und zum Wohlbefinden der Beschäftigten.“ Das Thema Prävention müsse ganzheitlich betrachtet werden. Unfall- und Krankheitsrisiken fänden ihre Ursache nicht mehr nur im beruflichen oder nur im privaten Bereich. Man nehme das Beispiel psychische Erkrankungen, die häufig von beruflichen und privaten Problemen gleichzeitig verursacht würden. „Wenn es um Prävention geht, muss das Individuum als Mensch und nicht mehr nur als Arbeiter gesehen werden“, so der IVSS-Generalsekretär.

Für ihre Präventionsstrategie bedient sich die IVSS eines dreidimensionalen Ansatzes, der unter anderem auf die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung zurückgeht. Hierbei stehen folgende Aspekte im Vordergrund: die Prävention von Risiken am Arbeitsplatz, die Förderung von Gesundheit am Arbeitsplatz und die Rückkehr und Wiedereingliederung in den Beruf. Zu diesen Themen hat die IVSS Leitlinien entwickelt, die den Institutionen der sozialen Sicherheit zahlreiche Präventionskonzepte und -instrumente bieten. Mit diesen können die Institutionen Präventionsfähigkeiten, Infrastruktur, Programme und Aktivitäten aufbauen, die spezifische nationale und institutionelle Besonderheiten berücksichtigen.


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Ein ganzheitlicher Präventionsansatz nutze nicht nur den Beschäftigten, er zahle sich auch für die Unternehmen aus. Zahlreiche Studien würden dies untermauern. Investitionen in die Prävention von Risiken am Arbeitsplatz würden sich zum Beispiel im Schnitt in einem Verhältnis von 1 zu 2,2 finanziell rentieren. Die Förderung der Gesundheit am Arbeitsplatz könne sogar zu einem Viertel weniger Fehltage bei der Arbeit führen.

Die Mitglieder der IVSS, also die Sozialversicherungsträger und andere Institutionen der sozialen Sicherheit, sollten nun eine Vorreiterrolle in ihren Ländern spielen. „Weg vom ‚Payer‘, hin zum ‚Player‘“ – die Institutionen müssten proaktiv beim Thema Prävention handeln. Die erwähnten Leitlinien enthalten anschauliche „Best Practices“, die die Mitglieder nutzen und den Betrieben zur Verfügung stellen sollten. Zudem wurde das IVSS-Exzellenzzentrum eingerichtet: Hier sollen Initiativen von Mitgliedsorganisationen aller Zweige der sozialen Sicherheit, die der Verbesserung der Verwaltung dienen, gefördert und erleichtert werden. „Die Sozialversicherungsträger müssen ihr Potenzial nutzen“, so Konkolewsky.

Nicht zuletzt müsse das ganze System immer wieder neu beleuchtet werden. Wie können die Präventionsakteure besser zusammenarbeiten, um eine gemeinsame Präventionskultur aufzubauen? Ein gutes Beispiel biete die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie, eine Aktion von Bund, Ländern und Unfallversicherungsträgern in Deutschland zur Stärkung von Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.

Im Anschluss an den Vortrag stellte der Moderator Karl-Josef Thielen eine interessante Frage: Warum liegt der Fokus bei der IVSS so stark auf dem Thema Prävention? Weil dieser Bereich eine intensivere proaktive Einmischung der Sozialversicherungsträger vertragen könne, antwortete der IVSS-Generalsekretär. Außerdem müsse die Prävention besonders stark dem globalen Wandel angepasst werden. Und hier müssten alle Akteure an einem Strang ziehen.

Text: Elena Engelhardt